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Somalia Piraten – aktuell 13 gekaperte Schiffe und 212 Geiseln

Die Piraterie vor der Küste Somalias wird in den Medien kaum noch erwähnt, so dass man glauben könnte das Thema hätte sich erledigt. Das Problem ist aber keineswegs geringer geworden.

In diesem Jahr zählte das International Maritime Bureau (IMB) zum 30. August bereits 210 Piratenangriffe, von denen 23 mit einer Kaperung des Schiffes endeten. Somalia ist mit 70 gemeldeten Attacken das absolute Hochrisikogebiet. In den ersten 9 Monaten gelangen den somalischen Piraten allein 13 Schiffsentführungen, bei denen sie 212 Geiseln nahmen.

Etwa 40 Schiffe und mehr als 1000 Geiseln sind Anfang 2012 in der Hand von Entführern.

Das IMB hat in einer Weltkarte die gemeldeten Piratenüberfälle veröffentlicht. Diese Karte wird laufend aktualisiert:

http://www.icc-ccs.org/piracy-reporting-centre/live-piracy-map


Auszug aus dem IMB report:

Please see below figures for piracy and armed robbery incidents as reported to the IMB Piracy Reporting Centre in 2012

Worldwide Incidents: updated on 30 August 2012

Total Attacks Worldwide: 210

Total Hijackings Worldwide: 23

Incidents Reported for Somalia:

Total Incidents: 70

Total Hijackings:13

Total Hostages: 212

Current vessels held by Somali pirates:

Vessels: 11 Hostages: 188.

 

Hoher Schaden für die Reeder

Es geht den Piraten aber i.d.R. nicht um die Ladung sondern um die Geiseln. Die Seeräuber interessieren sich nicht für die Ladung, gegen deren Verlust Reeder versichert sind, sie verschleppen Schiffe und Besatzung und erpressen Lösegelder. Die Reedereien zahlen Millionenbeträge, um ihre entführten Schiffe und Mannschaften freizubekommen.

Der Schaden ist immens: Etwa 160 Millionen Dollar Lösegeld haben die Piraten im Jahr 2011 von Redereien und Regierungen erpresst.

Die Reedereien wenden inzwischen enorme Kosten auf, um Ihre Schiffe gegen Piraterie zu schützen. Etwa 100.000 EUR geben die Reedereien für organisatorische und technische Sicherheitsmaßnahmen je Rundreise durch die Gewässer vor der somalischen Küste aus.

 

Neues Gesetz - private Sicherheitskräfte zur Bekämpfung der Piraterie

Nun hat das Bundeskabinett einen Gesetzesentwurf beschlossen, demzufolge private Sicherheitskräfte zur Bekämpfung der Piraterie auf deutschen Schiffen zugelassen werden sollen.

Auf Schiffen unter deutscher Flagge sollen von Mitte kommenden Jahres an amtlich zugelassene und bewaffnete Sicherheitskräfte mitfahren dürfen, um vor Piratenangriffen zu schützen. Damit soll sichergestellt werden, dass nur noch fachlich und persönlich geeignetes Sicherheitspersonal zum Einsatz kommt. Das Gesetz erlaubt den privaten Sicherheitskräften an Bord den Einsatz von leichten und halbautomatischen Waffen.

Private Sicherheitsdienste müssen sich vorher beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn zertifizieren lassen, um diese Dienstleistung anbieten zu dürfen.

Die kostenpflichtige Zulassung müssen sowohl aus- wie inländische Firmen beantragen, die auf deutschen Schiffen arbeiten wollen. Die zwei Jahre lang gültige Zulassung dürfte nach Angaben von Hans Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, 8000 bis 16.000 Euro kosten. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) begrüßt die Pläne sorgt sich demnach aber, ob genug Zeit sein wird, geeignete Anbieter zu suchen. Es gibt offenbar nur wenige deutsche Firmen die diese Dienstleistung anbieten. Der Markt wird von amerikanische und britische Unternehmen dominiert.

Es wird davon ausgegangen, dass die neuen Regeln frühestens ab dem 1. Juli 2013 gelten. Das Gesetz soll noch in diesem Jahr den Bundestag und den Bundesrat passieren. Die Kosten für die Zulassung müssen wollen die Reedereien übernehmen. Im Gegenzug dürften sich aber die Versicherungsprämien für die Schifffahrtsgesellschaften reduzieren.

 

Pressemitteilung BMWI vom 18.7.2012

Kabinett beschließt Gesetzentwurf zur Zulassung privater Sicherheitskräfte zur Pirateriebekämpfung

Das Kabinett hat heute den Gesetzentwurf zur Einführung eines Zulassungsverfahrens für Bewachungsunternehmen auf Seeschiffen beschlossen. Der Gesetzentwurf ist eine Reaktion auf die Bedrohung der Seeschifffahrt durch Piratenangriffe insbesondere am Horn von Afrika.

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie und Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Hans-Joachim Otto, begrüßte den heutigen Kabinettsbeschluss: "Mit dem Gesetzentwurf (PDF: 220 KB) schaffen wir Rechtssicherheit für die Reedereien. Wir stellen sicher, dass die zugelassenen Bewachungsunternehmen nur persönlich und fachlich geeignete Sicherheitskräfte an Bord einsetzen. Bereits durch den bisherigen Einsatz privater Sicherheitskräfte ging die Zahl der Piratenangriffe von Januar bis Juni 2012 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund ein Drittel zurück. Bislang wurde noch kein Schiff mit privaten Sicherheitskräften an Bord gekapert. Wie bereits die anderen, von Reedern und der internationalen Gemeinschaft ergriffenen Maßnahmen, ist damit auch der Einsatz von Sicherheitskräften an Bord ein erfolgreiches Instrument zum Schutz deutscher Handelsschiffe. Die Bundesregierung arbeitet jetzt mit Hochdruck an der Rechtsverordnung, die die Einzelheiten für das Zulassungsverfahren regelt. Dabei ist es besonders wichtig, das Verfahren für die Wirtschaft möglichst unbürokratisch auszugestalten, gleichzeitig aber einen hohen Qualitätsstandard zu gewährleisten."

Das Zulassungsverfahren orientiert sich eng an den Leitlinien der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) zum Einsatz privater bewaffneter Sicherheitskräfte. Zulassungen werden vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei erteilt.

Darüber hinaus enthält der Gesetzentwurf eine Änderung des Waffengesetzes. Danach ist künftig die Waffenbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg für die Erteilung der erforderlichen Waffenerlaubnisse für Bewachungsunternehmen auf Seeschiffen unter deutscher Flagge zuständig. Hierdurch wird es etwa auch in Großbritannien niedergelassenen Bewachungsunternehmen ermöglicht, die erforderlichen Waffenerlaubnisse möglichst unbürokratisch zu erhalten. Der Einsatz von Kriegswaffen ist dabei ausgeschlossen.

 

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